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Die Chortí Bei den Chorti
handelt es sich um direkte Nachfahren der Maya, verläßt man sich auf
die Historiker Larde und Larin und deren sprachwissenschaftliche
Untersuchungen. Man nimmt sogar an, dass es sich bei den Chorti um die
Ahnen derjenigen Maya handelt, die vor über 1500 Jahren Städte wie
Copan oder Quirigua errichtet haben. Die Wissenschaftler haben
herausgefunden, das die Chorti innerhalb der vielen Mayasprachen der
Sprachfamilie "Chol" angehören. Die Chol haben ihren Ursprung bei den
"Chontales" aus Tabasco und den "Choles" aus Chiapas, beides im
heutigen Mexiko gelegen. Chorti und Choles trennten sich noch vor der
spanischen Eroberung: die Choles zogen Richtung Nordosten, während die
Chorti im heutigen Grenzgebiet zwischen Guatemala und Honduras Westens
blieben.
Weiterhin entdeckten Anthropologen und Historiker,
dass sich die Chorti aus verschiedenen Stämmen zusammensetzen. Die
Pipiles stellten eine der maßgeblichen Stammesgruppen dar, führten sie
doch ein Handelssystem in der Region ein und lösten sie die Erbfolge
und Macht weniger einzelner Familien auf. Das Zusammenleben von Chorti
und Pipiles dauerte mehrere Jahrhunderte an. Beide Gruppen werden den
Maya zugerechnet.
Jüngste Studien verstärken die These, dass
es sich bei der Stadt Copan um den Sitz des alten Mayaimperiums
gehandelt hat. Leider konnte man bis heute aus wissenschaftlicher Sicht
nicht nachweisen, ob Copan von den Ahnen der Chorti erbaut wurde.
Historisch belegt ist aber zumindest die Besiedlung von Copan und der
umliegenden Landstriche durch die Chorti zur Zeit der spanischen
Eroberung (1530). Der Chortikönig von Copan widersetzte sich hartnäckig
den spanischen Kommandanten Hernando De Chavez und Pedro Amalin. Die
Nachfahren der Maya von Copan sind möglicherweise die Chorti, sie
könnten die Stadt schon lange vor der Eroberung bewohnt haben, als
direkte Nachfahren derjenigen Maya, die Copan nach dem Untergang im 9.
Jahrhundert nicht verlassen haben. Die Sprache der heutigen Chorti ist
möglicherweise dieselbe, wie sie vor vielen Jahrhunderten in Copan
gesprochen wurde.
Nach der Eroberung kam die Dezimierung. Die
spanische Besiedlung verdrängte oder zerstörte ab dem 16. Jahrhundert
die Chorti genauso wie allen anderen indigenen Völkern der Region. Das
System der "Encomienda", nach dem alle Bewohner eines Landstückes
Eigentum des Siedlers waren, führte zur Trennung von Stammesgruppen und
zu Mord und Totschlag an den rechtlosen Indigenas. Aus Europa
eingeschleppte und bis dahin unbekannte Krankheiten wie zum Beispiel
die Masern wurden zu todbringenden Epidemien, denn das Immunsystem der
Chorti kannte diese Krankheiten bis dahin nicht.
Religion
Die Chorti der Gegenwart spiegeln nicht unbedingt die Traditionen und
die Religion ihrer Vorfahren wieder. Die spanischen Eroberer ermordeten
systematisch alle Priester der Indigenas und das überlieferte Wissen
und die uralten Traditionen schweigen unwiederbringlich in den Gräbern.
Die Überlieferungen und Riten der wenigen Überlebenden vermischten sich
im Laufe der Zeit mit den Elementen der katholischen Kirche.
Man hat herausgefunden, dass es zwischen der prä-kolumbischen Religion
der Chorti und dem katholischen Glauben einige Übereinstimmungen gibt.
So gibt es in beiden Glaubensrichtungen Elemente wie die Taufe, die
Beichte, Pilgerfahrten, den Gebrauch von Weihrauch und die Opfergaben.
Die heutigen Chorti beten in ein und derselben Andacht zur Göttin der
Erde und zur Jungfrau Maria. Auch wenn sie sich der Ehe im katholischen
Sinne widersetzen, so taufen sie doch ihre Kinder nach christlichem
Brauch. Diese Handlung symbolisiert die Wandlung eines "neugeborenen
Nichts" in eine Person. Zusätzlich zu Weihwasser beziehen die Chorti
auch Öl und Salz in die religiöse Zeremonie mit ein.
Jedes
Dorf hat einen Schutzheiligen, dessen Abbild in den Gottesdiensten
verehrt und wachsam in der Kirche unter der Obhut einer Privatperson
oder Mitgliedes einer Laienbruderschaft aufbewahrt wird. Die Herkunft
und Abstammung vieler Heiliger ist unbekannt und erhöht deren Kraft und
Ausstrahlung. Der (oder die) Schutzheilige eines jeden Dorfes steht in
enger Verbindung mit dem Ackerbau. "Chaac" - der Regen, und "Panahturo"
- der Wind, werden vom Erzengel San Miguel bestimmt. Dieser ist
verantwortlich für das Klima und die Niederschläge. Die heilige
Jungfrau Maria schützt den Mais, das Grundnahrungsmittel schlechthin,
und unterstützt die Götter beim Ausschütten der Töpfe auf der Erde
bedeutet das Regen.
Der Gott der Träume ist männlich für
Männer und weiblich für Frauen. Er begleitet den Gott des Todes. Es ist
unheilbringend, gibt man dem Wunsch nach einem Schläfchen während des
Tages nach. Der Gott des Traumes versucht während des Tages seine Opfer
in den Schlaf zu ziehen und liefert sie dem Gott des Todes aus. Während
der Nacht ist der Schlaf normal und ungefährlich. Der Gott des Todes
vereint beide Geschlechter und erscheint als in ein weißes Leinentuch
eingehülltes Skelett. Seine Waffe ist ein langer Stock mit einer Klinge
aus Knochen an der Spitze. Unsichtbar für alle anderen erscheint er den
Augen eines Todgeweihten umso unheimlicher. Die Geister der Toten
erscheinen manchmal den Lebenden oder greifen diese gar an. Darum
bietet man den Geistern symbolisch etwas zu Essen und zu Trinken an,
wie zum Beispiel Kürbis in Honig ("tzinkin" in der Chorti Sprache).
Diese Zeremonie wird besonders am zweiten November durchgeführt, dem
Tag der Verstorbenen.
Das Dorfkreuz ist ein heiliger Ort, vor
dem ein Chorti halt macht und betet. Das Kreuz kann einem Kranken
helfen, wieder gesund zu werden. Darum ist das Fest des Kreuzes am jedem
dritten Mai sehr wichtig. Die Kreuze der Gegend werden an diesem Tag
mit Blumen, Früchten und Maiskolben geschmückt. Der Friedhof eines
Dorfes beherbergt nicht nur die Toten und deren Seelen, sondern auch
böse Geister. Hier findet der Gott der Toten Zuflucht. Menschliche
Opfer gibt es nicht mehr, aber die Nachfahren der Chorti bringen den
Göttern auch heute noch Opfergaben wie Maiskolben und Kürbisse, um die
Schutzgötter des Dorfes zur Wachsamkeit zu ermutigen.
Während
eines religiösen Festes isst man Huhn oder Truthahn und man verschüttet
das Blut der Tiere über dem Altar oder verstreut es in die vier
Haupthimmelsrichtungen. In vergangenen Zeiten wurden auch andere Tiere
geopfert, z. B. Frösche und Schlangen. Diese Tieren wurden mit dem Regen
und der Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Die Priester und
Schamamen beschworen auch die Eule und den Geier.
Sprache
Die Wissenschaft betrachtet die Chorti als eine der ältetesten Verbände
innerhalb des Volkes der Maya Quiche und sieht sich durch die
urtümliche Sprache bestätigt. In Honduras wird Chorti nicht mehr
gesprochen. Im heutigen Guatemala sind die Chorti zum größten Teil
zweisprachig (chorti und spanisch), einige wenige alte Menschen sind der
Sprache noch mächtig. In der Umgebung der gualtemaltekischen Dörfer
Jocotan und Camotan wird die Sprache noch gesprochen. Die lokale
Sprache ist das "tcor-ti" (spanisch "chorti"). Spanisch ist die
Geschäftssprache die dem Handel auf dem Markt mit den Ladinos dient.
Spuren der Chorti-Sprache in Honduras sind noch in den Dörfern El
Paraiso, Carrizalon und Ostuman zu finden, allerdings nur bei einigen
sehr alten Menschen. Junge Leute sprechen diese Sprache nicht mehr, sie
wird in keiner Schule gelehrt und es existieren kaum Überlieferungen.
Ackerbau und Nahrungsmittel
Mais und Bohnen sind unverzichtbarer
Bestandteil der täglichen Mahlzeiten und scheinen den Chorti wichtiger
zu sein als alle anderen Nahrungsmittel zusammen. Für die Chorti aus
Honduras und aus Guatemala sind die Maistortillas und die Bohnen das
Symbol für das Essen, bei den Chorti in Guatemala bedeuten die Worte
Mais und Frijol soviel wie Essen. Die Chorti bestellen zudem bis zur
Hälfte ihrer Felder mit Zuckerrohr. Haustiere sind unwichtig, sieht man
von Hühnern und Truthähnen ab. Sie werden nebenbei auch mal gehalten,
aber das Fleisch vom Schwein oder Rind spielt keine große Rolle auf dem
traditionellen Teller der Chorti. Werden diese Tiere gehalten, so meist
nur, um sie später an Ladinos zu verkaufen und so ein wenig Geld zu
verdienen.
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