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Nationalpark La Tigra
Nationalparks sind relativ große Naturräume mit typischer und durch den
Menschen möglichst unberührter Natur. Sie besitzen neben der
landschaftlichen Schönheit einen besonders hohen Wert für den Erhalt
von Tier- und Pflanzenarten, für die Forschung, sowie für die Bildung
und Erholung.
Nur 37 km von der Hauptstadt Tegucigalpa
entfernt befindet sich der älteste Nationalpark von Honduras, das
329,16 km² große Reservat "La Tigra" (die Tigerin = Weibchen des
Jaguars), den man in der Umgangssprache in Mittelamerika "tigre" nennt.
1958 wurde hier die "Reserva Forestal Nr.1" ausgerufen, und dieses 1980
per Gesetz Nr.976 zum Nationalpark "befördert". Der Bergregenwald, oder
auch Nebelwald genannt, produziert etwa 40% des Trinkwassers für die Einwohner
der Hauptstadt Tegucigalpa.
Seiner Höhenlage und der steten Nebel wegen verdankt der Nationalpark
die biologische Einstufung als Bergregenwald, häufig auch als Nebel-
oder Wolkenwald bezeichnet.
Nebelwälder sind Laubwälder, in
Höhen zwischen 1500 und 2500 Metern zu finden. Sie verdanken ihren
Namen den sie stets umhüllenden Wolken, kondensierter Feuchtigkeit aus
der vom pazifischen und karibischen Meer anströmenden und von den
Bergen in die Höhe (und somit Kälte) gezwungenen heißen Meeresluft.
Die Pflanzenwelt hat sich auf den steten horizontalen Nieselregen
eingestellt: viele Pflanzen - die sogenannten Epiphyten - sind in der
Lage, direkt aus der feuchten Luft das Wasser zu gewinnen. Dazu zählen
die für die tropischen und subtropischen Bereiche Amerikas
charakteristischen Bromelien und Tilandsien, sowie die artenreichste
Pflanzenfamilie der Erde: die Orchideen. Zwischen August und November
blühen besonders viele der Bromelien und Orchideen. Die verschiedensten
Gewächse wuchern auf den Ästen und an den Stämmen der Bäume, ohne
diesen Nährstoffe oder Licht zu entziehen. Flechten und Moose verleihen
dem Wald den letzten Schliff, verwischen Konturen, und erschaffen so
die mystische Atmosphäre der Bergregenwälder.
Nicht nur für die Besucher des Nebelwaldes, sondern auch für die
Anwohner der Region hat der Nationalpark eine eminent wichtige
Bedeutung: Trinkwasser. Nebelwälder sind Wasserspeicher. Die Vegetation
saugt das Wasser aus der Luft. Sind die Pflanzen erst einmal mit Wasser
gesättigt, so läuft es am Stamm der Bäume oder tropft über Blattspitzen
auf den Boden herunter. Der lockere Boden wird nur sehr selten von
starken Regenfällen heimgesucht und somit weder verdichtet noch
erodiert. Wie ein Schwamm saugt der Boden das Wasser auf, und speichert
es in den darunter liegenden Gesteinsschichten. Auch in der trockenen
Jahreszeit sickert stets genügend Wasser aus dem Gestein, welches -wie
bereits erwähnt- zur Trinkwasserversorgung der über eine Millionen
Einwohner zählenden Hauptstadt Tegucigalpa beiträgt. Die Frage, was
denn die Regierung gerade zur Deklaration dieses Gebietes bewogen hat,
erübrigt sich damit.
"La Tigra" ist der größte noch
verbliebene Naturraum in der Umgebung von Tegucigalpa und wird
treffenderweise "Lunge der Hauptstadt" genannt. Der Weg nach oben führt
über eine ungeteerte Straße, die offiziell ganzjährig mit normalen
Fahrzeugen passierbar ist. Es ist aber in der regenreichen Hälfte des
Jahres von Mai bis November empfehlenswert und sicherer, ein Allradauto
zu verwenden. Im Nationalpark selbst befinden sich gute Wanderwege für
unterschiedlich schwierige Ansprüche, bei denen man zwischen einem
kurzen "Beine vertreten" bis hin zu einer 5-stündigen Wanderung durch
den Nebelwald auf die andere Seite des Nationalparks wählen kann.
Sollte man es darauf abgesehen haben, einen Quetzal zu Gesicht zu
bekommen, so stehen die Chancen darauf in den Monaten März bis Mai
günstig. Der Quetzal ist in der Balzzeit und grenzt sein Revier durch
laute charakteristische Rufe ab. Ansonsten sind diese in ihrer Umgebung
sehr gut getarnten Vögel nur schwer und eher zufällig auszumachen.
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