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Nationalpark Pico Bonito
Nationalparks sind relativ große Naturräume mit typischer und durch den
Menschen möglichst unberührter Natur. Sie besitzen neben der
landschaftlichen Schönheit einen besonders hohen Wert für den Erhalt
von Tier- und Pflanzenarten, für die Forschung, sowie für die Bildung
und Erholung.
Der Nationalpark Pico Bonito liegt quasi
hinter den Stränden des Karibikhafens La Ceiba, nur 5 Kilometer
entfernt vom Stadtzentrum. Die steil aufsteigenden Hängen schützen auf
natürlich Weise die Vegetation, die zu 85 % aus primärem Tropenwald
besteht. An den Rändern des Parks wird Ackerbau und Forstwirtschaft
betrieben. Der 1987 durch das Gesetz mit der Nummer 87-87 legalisierte
Nationalpark ist der zweitgrößte seiner Art in Honduras, nur der
Nationalpark Patuca ist noch größer. Insgesamt stehen 1073 km2 unter
Naturschutz, und nahezu die Hälfte davon unterliegt als Kernzone
besonders strengen Regeln. Dem honduranischen Parlament liegt ein
Antrag verschiedener Umweltschutzorganisationen vor, um die Fläche des
Nationalparks um weitere 550 km2 auszudehnen.
Der höchste
Gipfel, der "Pico Bonito", erreicht stolze 2436 Meter über dem
Meeresspiegel, es ist der dritthöchste Berg des Landes. Besonders
morgens präsentiert sich die Bergkette oft ohne Wolken. La Ceiba und
die Berge des Nationalparks bieten dann ein eindrucksvolles Panorama.
Im Nationalpark selbst bestechen zuerst einmal viele verschiedene
Wasserfälle mit bis zu 25 Metern Höhe.
Die natürlich Vielfalt ist durch den abrupten Höhenunterschied
außerordentlich groß. Die Vegetation verändert sich allmählich mit
zunehmender Höhe vom tropischen Regenwald zum Bergregenwald (oder
Nebelwald) in den Regionen ab ca. 1000 Metern. Im Rücken der Berge (von
der Küste aus gesehen) finden sich im Tal des Ahuan Flusses Reste eines
tropischen Trockenwaldes.
Seiner Höhenlage und der steten
Nebel wegen verdankt der Nationalpark die biologische Einstufung als
Bergregenwald (häufig auch als Nebel- oder Wolkenwald bezeichnet).
Nebelwälder sind Laubwälder, in Höhen zwischen 1500 und 2500 Metern zu
finden. Sie verdanken ihren Namen den sie stets umhüllenden Wolken,
kondensierter Feuchtigkeit aus der vom pazifischen und karibischen Meer
anströmenden und von den Bergen in die Höhe (und somit Kälte)
gezwungenen heißen Meeresluft. Die Pflanzenwelt hat sich auf den steten
horizontalen Nieselregen (oder einfach Nebel) eingestellt: viele
Pflanzen - die sogenannten Epiphyten - sind in der Lage, direkt aus der
feuchten Luft das Wasser zu gewinnen. Dazu zählen die für die
tropischen und subtropischen Bereiche Amerikas charakteristischen
Bromelien und Tilandsien, sowie die artenreichste Pflanzenfamilie der
Erde: die Orchideen. Zwischen August und November blühen besonders
viele der Bromelien und Orchideen. Die verschiedensten Gewächse wuchern
auf den Ästen und an den Stämmen der Bäume, ohne diesen Nährstoffe oder
Licht zu entziehen. Flechten und Moose verleihen dem Wald den letzten
Schliff, verwischen Konturen, und erschaffen so die mystische
Atmosphäre der Bergregenwälder.
Für die Anwohner der Region hat der Nationalpark eine eminent wichtige
Bedeutung: Trinkwasser. Nebelwälder sind Wasserspeicher. Die Vegetation
saugt das Wasser aus der Luft. Sind die Pflanzen erst einmal mit Wasser
gesättigt, so läuft es am Stamm der Bäume oder tropft über Blattspitzen
auf den Boden herunter. Der lockere Boden wird nur sehr selten von
starken Regenfällen heimgesucht und somit weder verdichtet noch
erodiert. Wie ein Schwamm saugt der Boden das Wasser auf, und speichert
es in den darunter liegenden Gesteinsschichten. Auch in der trockenen
Jahreszeit sickert stets genügend Wasser aus dem Gestein, welches -wie
bereits erwähnt- zur Trinkwasserversorgung der 100000 Einwohner von La
Ceiba beiträgt.
Die Vegetation dient auch als Erosionsschutz,
denn sie verhindert die Bodenerosion und somit Schlamm- und
Gerölllawinen bei schweren Regenfällen. Schlamm und Geröll lagern sich
im flachen Bereich der Flüsse ab und verändern so den Lauf des Flusses.
Viele Menschen in der Region La Ceiba wurden während des Hurrikans
Mitch (1998) von den sich ändernden Flussläufen bedroht und nicht so sehr durch
Wind und Brandung.
Ein einfaches rustikales Holzhaus dient
als Besucherzentrum. Alles Notwendige für eine Übernachtung steht hier
zur Verfügung. Man erreicht das Besucherzentrum mit einem
Allradfahrzeug und kann diverse Wanderungen von hieraus unternehmen. Bis zum
Gipfel zu gelangen, bleibt aber nur speziellen Expeditionen vorbehalten.
Zu steil sind die Hänge, und zu kurz ist in der Regel die Zeit der
Besucher: man sollte dafür sieben Tage (!) einplanen. Wege nach oben
gibt es nicht, ebenso wenig wie Bergführer und Trinkwasser. Wer es
dennoch probieren sollte, der wird mit einem wunderschönen Ausblick
belohnt.
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