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Nationalpark Punta Sal

Nationalparks sind relativ große Naturräume mit typischer und durch den Menschen möglichst unberührter Natur. Sie besitzen neben der landschaftlichen Schönheit einen besonders hohen Wert für den Erhalt von Tier- und Pflanzenarten, für die Forschung, sowie für die Bildung und Erholung.

Es handelt sich beim Lebensraum tropischer Regenwald um in den Tropen und Subtropen gelegene Laubwälder mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von mindestens 2.500 mm Regen pro Jahr, und einer nicht unter 18°C sinkenden Temperatur. Der "klassische" tropische Regenwald liegt im Tiefland und wächst nur selten in Höhen bis maximal 1.000 Meter über dem Meeresspiegel. In Mittelamerika befindet sich die Mehrzahl der Regenwälder an der atlantischen Küste. Sie sind je nach Ort einer mehr oder weniger ausgeprägten langen Regen- und einer kurzen Trockenzeit ausgesetzt, denn Honduras liegt auf ca. 15° nördlicher Breite, bereits ein ganzes Stück entfernt vom Äquator.

Sicher sind die Regenwälder der Tropen keine Orte voller bösartiger Tiere und undurchdringlichen Gestrüpps, die bloß auf Besucher oder Siedler warten und diesen die gefährlichsten Abenteuer aufdrängen. Leider denken das aber noch zu viele Menschen und machen aus dem scheinbar unwirtlichen grünen Wildwuchs nutzbares Land. Tropische Regenwälder sind vom Aussterben bedrohte Lebensräume.



Aus biologischer Sicht ist der tropische Regenwald der artenreichste Lebensraum der Erde. Die natürlichen Reichtümer dieser eindrucksvollen Wälder sind den modernen Gesellschaften bis heute nicht oder nur ungenügend bekannt. Aus der Fülle der Arten lässt sich die genetische Vielfalt ablesen, welche die tropischen Regenwälder zu einem riesigen Freiluftlabor machen.

Wissenschaftler haben auf einem Hektar tropischen Regenwaldes über 800 verschiedene Bäume und Sträucher gefunden, von denen lediglich 60% bisher bekannt sind. Auf einem einzigen Urwaldriesen hat man über 50 verschiedene Ameisenarten gezählt, mehr als es zum Beispiel in ganz England gibt! Ungenutzter Raum ist im Regenwald nicht vorhanden. Eine kleine Lichtung, hervorgerufen etwa durch einen umgestürzten Baum, veranlasst auf dem Boden wartende Samen zum Keimen. Nun heißt es für den Baum so schnell wie möglich in die Höhe wachsen, den Platz am Licht sichern. Das Endergebnis ist ebenso bemerkenswert wie die Wachstumsgeschwindigkeit: Im Wald liegen die Baumkronen von verschieden hohen Bäumen wie Stockwerke auf gleichen Höhen. Unter dem Kronendach des Waldes können bis zu 4 verschiedene Stockwerke vorhanden sein. Ein Ceiba-Baum erreicht nach 3 Jahren Wachstum bereits stattliche 10 Meter Höhe. Von jedem Baum hängen Lianen herab, auf den Ästen wachsen Bromelien, und schaffen so eine eigene kleine Welt für die kleinen Insekten und die großen Tiere wie Affen, Jaguare und Papageien. Auf dem Boden spielt sich im Vergleich zum Kronendach eher wenig ab. Es ist düster, modrig, und durch den Lichtmangel nur wenig von Kräutern und Sträuchern bewachsen. Tapire, Wildschweine und verschiedene Nagetiere suchen hier nach heruntergefallen Früchten. In den Regenwaldgebieten von Honduras hat man bisher insgesamt 700 verschiedene Vogelarten, 193 Säugetiere, sowie 62 Amphibien- und 165 Reptilienarten aufgelistet. Man schätzt die Anzahl der wirbellosen Tierarten auf mehrere Millionen.



Nahe der karibischen Hafen- und Bananenstadt Tela, eine Autostunde von San Pedro Sula entfernt, befindet sich der Nationalpark "Janeth Kawas" (vormals Punta Sal). Auf 500 km² Kernzone, umgeben von ca. 280 km² Pufferzone, stehen Mangroven und Lagunen, tropischer Regenwald und das vorgelagerte Korallenriff unter Naturschutz. Dies ist auch bitter nötig, denn wirtschaftliche Interessen haben häufig Vorrang und werden skrupellos durchgesetzt. Janeth Kawas engagierte sich für den Erhalt des Nationalparks und hat dies Mitte der 90er Jahre mit dem Leben bezahlt. Die Täter sind unbekannt. Der Nationalpark jedoch existiert und auch heute noch kann man an verschiedenen Stellen mit etwas Glück dem Schauspiel von Brüll- oder Kapuzineraffen beiwohnen.

Weiße Strände, geschützte Buchten, üppiger Regenwald - das sind die Kennzeichen von Punta Sal, ebenso wie die Kokoswälder am Strand. Vor etwas mehr als 200 Jahren siedelten hier ehemalige Sklaven, die man aus Afrika eigentlich nach Amerika bringen wollte und deren Schiffe strandeten. Seitdem haben sie viel zur honduranischen Kultur beigetragen. Ihre zeitlosen Dörfer bilden einen weiteren Höhepunkt dieses Reservates.

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