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Die Garífuna

Zwei Schiffe der spanischen Flotte strandeten an der Küste der Antillen-Insel St. Vicente mitsamt ihrer Fracht afrikanischer Sklaven. Gemäß der Geschichtsschreibung im Jahre 1655. Die Sklaven flüchteten und versteckten sich in dem gebirgigen und undurchdringlichen Gelände der Karibikinsel. Englische Dokumente berichten 20 Jahre später von der Strandung eines weiteren Schiffes mit Sklaven in St. Vicente. Zu derselben Zeit flüchteten immer mehr Sklaven aus den Kolonialgebieten Barbardos und anderen Inseln und landeten - auf St. Vicente. Das Ergebnis: Die Inseln St. Vicente und Dominica wurden neutrales Territorium, bewohnt von Ureinwohnern der Karibik und von den ehemaligen schwarzen Sklaven aus Afrika.

Die Afrikaner integrierten sich schnell in die Inselgemeinschaften und nahmen am gesellschaftlichen Leben ebenso Teil wie an den kriegerischen Streifzügen der einzelnen Gruppen. In kurzer Zeit gewöhnten sich die Inselbewohner und die Afrikaner aneinander und teilten Familienleben, Gewohnheiten und Sprache (das "Igneri"). Die Europäer, die sich langsam aber stetig auf den verschiedenen Karibikinseln ansiedelten, brachten weitere Sklaven für die Arbeit auf Feldern und Plantagen. Verschiedene europäische Staaten versuchten immer wieder, die ganze Karibik zu unterwerfen und attackierten dabei auch die Insel St. Vicente. Wer dabei lebend in die Hände der weißen Männer viel, dem war das Sklavendasein gewiss. Die Caribeños, wie man die schwarzen Menschen der Karibik auch heute noch nennt, verteidigten sich gegen die Europäer und konnten immerhin St. Vicente und Dominica für sich in Anspruch nehmen. Die Inseln waren damals unter den Namen Yolome und Yurume bekannt.

Wer bei den Kämpfen nicht in die Gefangenschaft einer englischen, spanischen oder französischen Gruppe geriet und auf St. Vicente lebte, verheiratete sich mit den Frauen der karibischen Indigenas und gründete seine Familie. Traditionen und Riten aus zwei Kontinenten vermischten sich. Es bildete sich eine neue Volksgruppe. Heutzutage kennt man dieses Volk in den Ländern Honduras, Guatemala und Belize unter dem Namen Garifuna. In der Dominikanischen Republik und Haiti haben sie den Namen Karaphuna; der ursprüngliche überlieferte Name ist Garinagu.

Bis zum Jahre 1750 hatten es die schwarzen Caribeños zu einer stattlichen Bevölkerung und zu Wohlstand gebracht. Es gab Häuptlinge und Krieger, einige mit mehreren Ehefrauen. Die Männer gingen dem Fischfang oder der Jagd nach oder fuhren mit ihren Kanus zu den benachbarten Inseln, um Tabak gegen Waffen, Munition und andere europäische Produkte zu tauschen.

Die Frauen arbeiteten im Haus und auf den Feldern. Einige Familien begannen mit dem Anbau und dem Verkauf von Baumwolle, ihrerseits schwarze Sklaven zur Entlastung der Frauen auf den Feldern nutzend. Zu dieser Zeit trafen die ersten französischen Siedler auf St. Vicente ein. Die Caribeños konnten aus der Ankunft der Franzosen Nutzen schlagen und betrieben einen regen Handel mit ihnen, sogar bishin auf die Nachbarinseln Martinique, St. Lucia und Grenada.

1763 dann nahmen die Engländer St. Vicente erneut ins Visier und versuchten mit jedem nur erdenklichen Trick, in den Besitz der fruchtbaren Ländereien zu gelangen. Zuckerrohr sollte angebaut werden. Zuerst versuchte man es mit der Kunst der Überredung, die immer drängender wurde. Man bot Geld und gelangte schließlich bis hin zur Provokation und - hatte Erfolg: es gab Krieg. Die Franzosen halfen den Caribeños zunächst erfolgreich beim Kampf gegen den ständigen und gemeinsamen Feind.

1775 schließlich hatten die Engländer genug von dem Konflikt und entschieden sich, St. Vicente durch eine starke militärische Streitmacht in Besitz zu nehmen. Selbst die bei den Engländern arbeitenden Sklaven halfen im Kampf gegen die Garifunas, denn inzwischen hatten sie sich an die englische Auffassung gewöhnt und Angst vor den "Primitiven Wilden". Die Franzosen ergaben sich im Sommer 1796, die Garifunas leisteten immer noch tapferen Widerstand. Der militärisch erprobten Streitmacht waren sie aber auf Dauer nicht gewachsen. Die Engländer verbrannten ihre Häuser, ihre Kanus und ihre Felder und bezwangen die geschwächten, hungrigen und kranken Caribeños. Genau 4644 Männer, Frauen und Kinder wurden gefangen genommen und bis zur endgültigen Entscheidung über ihr Schicksal auf die Insel Balliceau festgehalten. Unten den menschenunwürdigen Bedingungen starben über die Hälfte, vermutlich an Gelbfieber.

Im April 1797 wurden die verbliebenen Garifunas endgültig von St. Vicente vertrieben und von einem britischen Flottenverband auf die Insel Roatan im heutigen Honduras gebracht. Obwohl die Engländer die Garifunas mit Proviant, Angelhaken, Schnüren, Pflanzensamen sowie Setzlingen zurückließen, schien es für die Garifunas unmöglich, noch vor der Regenzeit Ende April - Anfang Mai den Boden zu bearbeiten. Geschwächt und demoralisiert von der langen Gefangenschaft und dem Klima, wussten sie sich nicht mehr anders zu helfen, als die Spanier zu bitten, sie auf das Festland überzusetzen. Dieses geschah am 19. Mai 1797.

Reine Hilfsbereitschaft hatten die Spanier jedoch nicht im Sinn. Die Garifunas dienten ihnen, nachdem man sie in Trujillo ansiedelte, als Soldaten und Fischer. Die Frauen rodeten den Urwald, betrieben Ackerbau und versorgten so die Familie mit Nahrung und verkauften überschüssige Produkte auf dem Markt. Die Garifunas versorgten bald die ganzen europäischen Siedler der Küste mit Nahrungsmitteln. Diese waren erschöpft und entkräftet durch stete Missernten und Hunger. Sie kannten kein Mittel, um dem tropischen Boden etwas Essbares abzugewinnen, und die aus der alten Welt mitgebrachten Kulturpflanzen vertrugen das Klima nicht.

Die Garifunas begannen schon kurz nach ihrer Ankunft mit der Erkundung der Küste bis in die heutigen Staaten Belize und Nicaragua. Sie waren beliebte Arbeitskräfte bei den Engländern, vor allem bei der Gewinnung von Tropenhölzern wie zum Beispiel Mahagoni.

Im Osten von Trujillo, entlang der Küste bis nach Nicaragua begann das Gebiet der Miskito-Indigenas. Damals wurden sie auch Zambos genannt. Sie bewohnen noch heute die von Honduras und Nicaragua geteilte Region La Moskitia. Die Miskito waren mit den Engländern eng befreundet und ebenso sehr verfeindet mit den Spaniern. Als es Unstimmigkeiten zwischen den Garifunas und den Spaniern gab, verließen viele der Garifunas Trujillo. Sie gründeten Dörfer entlang der Küste im Miskitogebiet bis weit über die Mündung des Patuca Flusses hinaus.

Entgegen früherer Annahmen waren es nicht 3500 Garifunas, sondern nur 2500 Menschen, die 1797 in Trujillo ankamen. Auch heute findet man ihre Siedlungen entlang der ganzen Karibikküste von Honduras. Sie integrierten sich erfolgreich und bereicherten die honduranische Kultur entscheidend.

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