Home › Ã–kotourismus › Ethnien › Miskitos › 


Die Miskito

Die Miskito stammen aus der Familie der Chibcha, Regenwaldbewohnern aus dem Flachland von Südamerika. Der Name leitet sich vermutlich ab von dem Wort "mosquete", den begehrten Gewehren der Engländer.

Die Abstammung der Miskito ist noch nicht geklärt. Die Miskito selbst und einige Gelehrte behaupten, dass sie stets Miskito waren. Andere Ethnologen stimmen jedoch darin überein, das das Volk der Miskito im 17. Jahrhundert entstand: aus einem Vielvölkergemisch der Bawinkas, Tawahkas (Sumos) sowie afrikanischen und europäischen Siedlern.

Die Forscherin Linda Newson bestätigt, dass es keinerlei historische Zeugnisse der Miskitos aus prä-kolumbischer Zeit gibt. Vielmehr stammt die erste Aufzeichnung aus dem Jahre 1672, von einem Piraten namens Exquemelin, welcher von einem kleinen 1600 - 1700 Mann zählenden Staat berichtet. 1681 korrigiert Dampier die Zahl der Miskito nach unten und spricht von einer kleinen Gruppe oder Ansammlung von Familien mit nicht einmal 100 Männern. Sie bewohnen die Region am Kap "Gracias a Dios", zwischen Honduras und Nicaragua.

Aus den Überlieferungen sticht besonders die des spanischen Erzbischofs von Nicaragua hervor. Demnach vermischten sich seit dem Jahr 1641 die Indigenas Tawahkas (oder auch Sumos) mit schwarzen Schiffbrüchigen, die in den Korallenriffen der "Cayos Misquitos" strandeten. Die Aufzeichnungen besagen folgendes:

"1641 verlor man ein Schiff voll von Schwarzen an der Nordküste zwischen der Mündung des Río San Juan, Provinz Nicaragua und der Stadt Trujillo, Provinz Honduras der dritte Teil der Schwarzen kehrte zurück, während sich der Rest in den Wald zurückzog mit Krankheiten und karibischen Eingeborenen kämpfend, die eifersüchtig ihr Land bewachen und mit den Schwarzen einen brutalen Krieg führen, und die Schwarzen besiegten mit der Zeit die Eingeborenen die sich zurückzogen in die Ländereien von Segovia und Chontales..... welche bis heute eine innige Feindschaft unterhalten...... mit den Frauen der Besiegten vermehrten sich die Sieger, und weil die Ureinwohner alle starben, nennen sich heute die Nachfahren Zambos, Kinder von Schwarzen und Eingeborenen."

Die Biologie unterstützt diese These, wenn man die Blutgruppen vergleicht. In einer Blutgruppenuntersuchung der Tawahka und Miskito am Grenzfluss zwischen Nicaragua und Honduras, dem Río Coco Segovia, fanden die Anthropologen Matson und Swanson heraus, dass alle Tawahka die Blutgruppe "O" haben. Die Miskitos wiesen zu 90 % diese Blutgruppe auf, die restlichen 10 % gehörten den Bluttypen "A" und "B" an.

Auch die Überlieferungen und Sprachen beider Völker ähneln sich auffällig. Gemäß einer Legende der Tawahka wurden die Stammesväter Mai-Sahana und Yapti-Misri aus einem großen Stein in der Region des Patuca Flusses geboren. Sie brachten die Miskitos, die Tawahka und die Ohlawa zur Welt. Die Sprache der Miskito ähnelt stark dem Bawika-Dialekt der Tawahka. Die Tawahka oder Sumo haben häufig von Dorf zu Dorf stark unterschiedlich Dialekte entwickelt und Schwierigkeiten bei der Verständigung. Die Miskito haben bisher noch nicht diese feinen Sprachunterschiede herausgebildet. Zudem haben die Miskito viele fremde Worte aus der englischen und spanischen Sprache übernommen, ohne jedoch den afrikanischen Sprachanteil zu verlieren. Auch dies ist ein Indiz dafür, dass die Miskito abstammungsgeschichtlich jünger sind als die Tawahka.

Ausgehend vom Kap "Gracias a Dios", breiteten sich die Zambo-Miskitos entlang der Küste aus und verdrängten oder dominierten die dort lebenden Indigenas der Stämme Pech (oder Payas) und Tawahka. 1774 beschrieb Long die Miskitos als "sehr zahlreich nahe des Kaps Gracias a Dios und flussaufwärts am Río Coco Segovia Wanks und in der Umgebung des Ortes Sandy Bay, wo ihr König wohnt". Innerhalb der Miskito gab es starke Unterschiede in der Stammeszusammensetzung. Im Norden und Westen überwogen die schwarzen Miskitos, während im Süden die Eingeboren die Oberhand behielten. Man schließt daraus auf den Ort des Schiffbruches, der die Völker der Region entscheidend veränderte. Und man vermutet, dass von Norden und Westen schwarze Sklaven aus den englischen Plantagen die Miskito beeinflussten. Auch wenn alle diese Fakten auf die Vielschichtigkeit der Völker der Küste der Moskitia (wie die Küste früher genannt wurde) hinweisen, so überwiegen doch die Beschreibungen von schwarzen und den indigenen Mischlingen mit dem Namen Zambo Miskitos.

Die Miskito knüpften noch im 17. Jahrhundert enge Kontakte zu englischen Piraten und Händlern der Karibik, die aus Beziehungen zwischen Schwarzen, Indigenas und Weißen resultierten. Trotz dieser Mischung sind die Miskito das Beispiel eines Volkes, das sich seine indigene Kultur bewahrt hat. Sie handelten auf legale und illegale Weise mit englischen Waren ebenso wie mit gefangenen Sklaven aus den Streifzügen in die benachbarten Gebiete der Pech und Tawahka. Die Stammestradition der Miskito kennt auch das Königreich. Der König symbolisierte für die Miskito das Oberhaupt der politischen Ordnung, er vertrat die Interessen des Volkes gegenüber den Ausländern, war der oberste Richter und das militärische Oberhaupt. Die Engländer respektierten nach ihrer Ankunft die Position des Miskitokönigs und veranstalteten die Krönungszeremonie des Königs in Jamaica oder Belize (beides Hauptstädte der englischen Krone in der Karibik). In der Realität des alltäglichen Lebens hatte der von den Engländern gekrönte König keinerlei Macht über die inneren und äußeren Angelegenheiten der Miskito. Er war eine Marionette der Briten, um die lokale Macht auszuüben. Trotz all dieser Ereignisse änderte sich am familienbetonten Leben der Miskitos nichts und ihre Unabhängigkeit wurde niemals ernsthaft vom "Staat" angetastet. Vermutlich war es die Schwäche des Königs, die den Miskito eine weitgehende Autonomie bescherten und die sie unter offizieller kolonialer Herrschaft gedeihen ließen.

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es einschneidende Veränderungen: die Engländer verlegten den Sitz des Miskito Königs von Sandy Bay nahe des Kaps Gacias a Dios nach Bluefield, Hauptstadt des Protektorats Moskitia. Die politische Organisation der Miskito aus Bluefield nahm immer mehr die Form eines Staates an. Der König geriet unter dem Einfluss des englischen Konsuls, der ortsansässigen Afroamerikaner von den Antillen (Kreolen) und ausländischer Einwanderer.

Die Miskitos tauschten in dieser Zeit die kriegerische Ausbreitung gegen den Handel mit Kautschuk, Fisch und Holz ein. Missionare der moravischen Kirche (evangelisch deutsche Priester) halfen den Miskito seit 1849 beim Wandel vom Krieger zum Händler. Auch veranlassten die Missionare die Miskito, ihre Sprache schriftlich durch die Übersetzung der Bibel in die Miskito Sprache festzuhalten.

Gegenwärtig stellen die Miskito mit ungefähr 30`000 Personen die zahlenmäßig größte ethnische Gruppe der Moskitia dar.

Klicken Sie hier für unsere Kultur- und Naturreisen.